Wovor darf man Angst haben?

Was bedeutet es „berechtigte Angst“ zu haben?

Um das herauszufinden, muss vor allem das Wort „berechtigt“ betrachtet werden. Der Duden definiert das Wort so: „berechtigt – Adjektiv – zu Recht bestehend, begründet“.
Eine berechtigte Angst muss also auf Gründen beruhen. Damit ist also klar definiert, dass das Wort berechtigt keinerlei Wertung mit sich bringt, sprich, dass jede Begründung, egal ob nun emotional oder auf mit Fakten beruhend, eine ist.
Es spielt somit auch keinerlei Rolle, ob eine Angst aus Sicht eines Außenstehenden sinnvoll oder sinnlos ist, da darüber, bei etwas oft so irrationalem wie einer Angst, immer nur die Person entscheiden kann, die diese verspürt.
Als Außenstehende*r muss man sich, wenn jemandem Angst genommen werden möchte, erst in diese Person und ihre Umstände hineinversetzen.  Sollte dieser Schritt ausgelassen werden, ist die Chance die Person von ihrer Angst zu befreien quasi bei 0.

 

Nun der Schwenk zum Politischen

Ist die durch viele zur Flüchtlingsthematik zum Ausdruck gebrachte Angst berechtigt? – Sie beruht auf Gründen. Also ja sie ist berechtigt.
Weiter in der Aufschlüsselung dieser Angst muss sich gefragt werden, ob diese auf emotionalen oder faktischen Gründen fußt und hierbei wird es interessant:
Sowohl als auch. Beides trifft zu und eigentlich weiß es auch jeder, der sich jemals mit jemandem mit dieser Angst unterhalten hat. Es fällt nur schwer wirklich zuzuhören und einzuordnen.

Emotional ist die Angst durch Panikmache von allen Seiten belegt. Eine AfD, und mittlerweile auch viel zu viele Andere, helfen nicht dabei die Ängste aus der Welt zu schaffen. Nicht nur blinde Hetze ist bei diesem Thema unfassbar gefährlich, sondern eben auch der Versuch Menschen eine Angst dadurch auszutreiben, indem nur Symptome behandelt werden. Niemandem wird Angst vor einer „Flüchtlingswelle“ genommen, indem diese „Welle“ verkleinert wird. Ängste können immer nur durch konsequente Konfrontation beseitigt oder eingedämmt werden.

Doch die oft missachtete faktische Begründung ist viel gefährlicher.
Seit Jahrzehnten sehen Menschen, dass ihre Rechte beschnitten werden und zum Beispiel sozialer Abstieg eine alltägliche Bedrohung darstellt. Es ist also absolut verständlich, dass in Kombination mit rechter Hetze, davon ausgegangen wird, dass die Bedrohung des Abstiegs durch die zu uns kommenden Menschen noch stärker wird.

Welche Lösung gibt es denn tatsächlich gegen solche berechtigten Ängste?

Das ist einfacher als es aussieht.
Es muss die Begründung für die Angst genommen werden, sie muss an der Wurzel gepackt werden, angefangen mit einer 180° Drehung in der ganzen Thematik.
Die Ängste mit nationalistischen Ansätzen zu beseitigen, kann unter keinen Umständen funktionieren. Nicht nur ist dies moralisch nicht zu vereinbaren, es bleibt auch die angestrebte Wirkung aus. Statt zu verschwinden, verschiebt sich eine Angst so nur. Anstatt Pflaster auf klaffende Wunden zu kleben, sollte sich darum gekümmert werden, diese Wunden ordentlich zu versorgen.
Kurzfristig den sozialen Abstieg komplett zu verhindern wird überaus schwierig. Doch ihn erschweren und auf ein menschenwürdiges Minimum zu deckeln, würde dabei helfen Abstiegsangst und all seine Folgen tatsächlich einzudämmen. Ansätze, dies zu erreichen, sind zum Beispiel eine gerechtere Bezahlung und Besteuerung und statt auf ein Erwerbslosenprogramm voller Sanktionen zu pochen, auf eines zu setzen, in dem es wirklich um Hilfe des Einzelnen geht.

Außerdem muss deutlicher Kante gezeigt werden, wenn es an die Angst geht, dass jemandem etwas weggenommen werden könnte.
Statt nur davon zu reden, muss auch nach diesem Grundsatz gehandelt werden. Die Glaubwürdigkeit einer solchen Haltung verschwindet nämlich sofort, wenn Maßnahmen wie eine Obergrenze beschlossen werden. Mit einem solchen Beschluss durch eine in der Gesellschaft verankerte Volkspartei, wird jedem der Angst vor dem sozialen Abstieg und vor dem Fremden hat, recht gegeben.
Bei diesem Thema gibt es nur entweder/ oder, entweder es ist das Ziel Menschen diese Ängste zu nehmen, indem das Fundament hierzu abgebaut wird oder es sollen kurzfristig die Folgen dieser Angst verschleiert werden. Beides zusammen funktioniert nicht und wird nicht funktionieren, zumindest nicht auf lange Sicht gesehen.

Wer diesen Text nun als Aufruf dazu versteht, dass lauter Protest gegen die menschenverachtende Ideologie verstummen soll, die/ der irrt sich massiv. Eine genau gegensätzliche Aussage steckt in dem Text.

Wir müssen Menschen und ihre Ängste ernst nehmen und verantwortungsbewusst mit ihnen umgehen, deshalb dürfen wir keinen noch so kleinen Raum für neofaschistisches und auch nicht für neoliberales Gedankengut lassen. Es muss konsequenter und effizienter ein anderer Weg gezeigt werden, ein Weg der Solidarität.
Ein Weg der klar stellt, dass wenn wenn jemand den doch eigentlich so christlichen Wert der Solidarität verfolgt, dass diese Person keine Angst um ihre Existenz haben muss, sondern einen unfassbaren gesellschaftlichen Dienst erbringt.

 

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